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Champagner Blind Tasting – Die Grenzen der Erkenntnis

Jeder, der sich mit Wein-Tasting näher auseinander gesetzt hat, wird mit ein bisschen Training und  Erfahrung eine Menge Rückschlüsse auf Rebsorten und Vinifizierung ziehen können, wenn er Wein konzentriert probiert.

Doch wie sieht das bei Schaumweinen aus? Im Rahmen von WSET Diploma-Prüfungen  und auch beim Master of Wine muss man Schaumweine beschreiben und auseinanderhalten können. Da steht zum Beispiel ein Markenchampagner neben einem Prossecco und einem Cava. Hierbei helfen Marker mit Eigenschaften, die für einen bestimmten Schaumwein zutreffen. Mit ein bisschen Übung stehen die Chancen nicht so schlecht. Das spannende Feld der Winzerchampagner blieb da in der Vergangenheit aber meist aussen vor.

Deshalb war ich sofort begeistert als mich Nicola Neumann  von Champagne Characters  in München fragte, ob ich nicht Lust auf einen Champagner Blind Tasting Workshop hätte.

In einer Runde von 4 Champagnerfans wollten wir dabei einmal ausloten, welche Rückschlüsse überhaupt möglich sind, wenn man im Vorfeld nichts über den Champagner weiß, den man ins Glas bekommt.

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Nicola hatte dazu einige Winzer Champagner ausgewählt und gleich beim Ersten hätte ich Stein und Bein geschworen, dass es sich nicht um einen Blancs de Blanc gehandelt hätte. Ein blasses Goldgelb im Glas, wenig und runde Säure brachten mich auf die falsche Fährte, das konnte doch kein Chardonnay sein.

So ging das munter weiter und ich war froh, dass ich den reinsortigen Pinot Noir Champagner dann immerhin anhand der Aromen von roten Früchten erkannte, dafür lag ich bei Pinot Meunier wieder daneben.

Champagner Proben machen demütig, das war schnell klar.

Verglichen mit dem Degustieren von Weinen kommen beim Champagner 2 Komponenten hinzu, die es deutlich komplexer machen:

Erstens die Kohlensäure. Sind doch in einer Flasche Champagner ca. 9 Gramm CO2 gelöst, das entspricht 5 Liter gasförmigen Kohlendioxids. In der Flasche herrscht ein Druck von 6 Bar. Bei gelagerten Champagnern halbiert sich dieser Druck übrigens  innerhalb von 20 Jahren, was auch die deutlich kleineren Bläschen in alten Champagnern erklärt. Kohlensäure beeinflusst die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung und das Mundgefühl.

Viel wichtiger ist aber noch, das fast jeder Champagner eine Cuvée aus unterschiedlichen Grundweinen ist. Und das macht es richtig kompliziert.

Diese Weine können aus unterschiedlichen  Jahrgängen stammen, wichtig ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel auch der Anteil und das Alter von gereiften Reserveweinen für den Geschmack. Die Grundweine können in gebrauchten Holzfässern oder im Edelstahl gelagert worden sein. Der Grundwein kann zum Teil einen biologischen Säureabbau vollzogen haben und der Anteil der drei Haupt-Champagner Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier kann variieren. Dazu kommt die Dauer der Lagerung auf der Hefe, die Dosage und schließlich noch die Reifung in der Flasche, wo zu den Autolyse Noten der Hefe noch weitere Altersaromen hinzu kommen. Zum Beispiel kann eine Maillard Reaktion mit dem Restzucker auftreten.

Wir haben viel gelernt an diesem Abend und bei aller Analytik kamen Spaß und Genuß nicht zu kurz. Denn einen wirklich guten Champagner erkennt man an der Balance aller seiner Komponenten und dem Facettenreichtum. Da hört man automatisch auf zu analysieren und genießt einfach. So ging mir das bei Eric Rodez und Paul Bara.

Zum Schluss noch ein einfach anwendbarer Tipp. Das Glas beim Einschenken unbedingt neigen, da sonst größere Mengen CO2 verloren gehen. Bis zu 200.000 Bläschen fehlen dann später. Da 80% des Kohlendioxids über die Oberfläche verloren gehen, ist es auch wichtig, sich Gedanken über die Größe des Glases zu machen. Es sollte keine Flute sein, ein zu großes Glas macht aber auch keinen Sinn, da die durch das Platzen der Bläschen erzeugte Aromen einen zu großen Raum füllen müssen und das Aroma verwässert wird. Eine richtig gute Wahl ist das zum Beispiel das Veritas Champagner Glas von Riedel.