Riesling – Teil 3 – Moselriesling 2015 von Martin Conrad

Der Riesling Jahrgang 2015 ist an der Mosel sehr gut ausgefallen. Da lohnt es sich doch mal zu schauen, bei wem man sich eindecken sollte. Ein  Geheimtipp ist Martin Conrad, ihm ist die Interpretation des Jahrgangs besonders gut gelungen finde ich. Davon konnte ich mich bei einem Besuch im Mai 2016 überzeugen.

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Er verfügt  unter anderem über eine Parzelle in der Brauneberger Juffer Sonnenuhr und seinen Top Wein gibt es ab September 2016 in kleiner Menge zu kaufen. Da wird man schnell sein müssen, denn die Weine von Martin Conrad haben es auch auf die  Weinkarten einiger Sylter Restaurants und ins Münchner Tantris geschafft und die wollen auch beliefert werden.

Sehr empfehlenswert ist auch die Conradus-Serie in trocken und feinherb und das Kabinett in  fruchtsüss.

Wer erleben möchte, das Weißburgunder so richtig burgundisch fein schmecken kann, sollte sich mit dem Gavius 2015 eindecken.

http://www.martinconrad.de

Riesling – Teil 2 – Markus Molitor

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Markus Molitor gehört zu den Winzern, die Dinge zu Ende denken, die Kompromisse im Weinberg oder der Weinbereitung nicht mögen. Das zeichnet ihn als Ausnahmewinzer aus, der das gesamte Repertoire vom trockenen Lagenriesling bis zur Versteigerungs-TBA bestens beherrscht und zusammen mit Egon Müller die Rangliste der besten und teuersten TBA anführt.

94% seiner Weinberge sind mit Riesling bestockt, zum Teil bis zu 120 Jahre alt, alles auf Steil- und Steilstlagen, die er in den letzten Jahren mühsam zusammengesucht und erworben hat. Er dürfte damit über eines der spannendsten Lagen-Portfolios in Deutschland verfügen. Das im Süßwein Bereich übliche Vorgehen in verschieden Lesedurchgängen die Trauben zu ernten wendet er auch für trockene und feinherbe Weine an und kennzeichnet die Besten so entstandenen, einzeln ausgebauten Weine mit einem Sterne-System. 3 Sterne bekommt dabei der Top Wein.

“Wenn in den vielen Tagen im Weinberg sorgsam gearbeitet wurde, muss im Keller fast nichts für einen perfekten Wein getan werden.”

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Das heißt für ihn, auf eine alte Genetik seiner Rieslingreben zu setzen mit niedrigen Erträgen und kleinbeerigen Trauben, die aromatischer und weniger anfällig für Pilzerkrankungen sind und es ihm erlauben auf den richtigen Erntezeitpunkt warten zu können.  Bei ihm gibt es nur Handlese und er setzt auf ein großes Team sehr gut ausgebildeter Erntehelfer, damit er zum richtigen Zeitpunkt ernten kann, wie die Top Chateaus im Bordelais es auch machen. Deshalb kann er auch bei einer recht großen Betriebsgröße von 90 Hektar absolute Top Qualität erzeugen.

Interessant ist auch, dass er eine High Tec Korbpresse einsetzt, mit dem Ergebnis weniger Trübstoffe im Most zu haben, als Winzer die auf die inzwischen gängigen pneumatischen Horizontalpressen setzen.

Im Keller setzt er auf  Spontanvergärung, großesHolz, sowie auf eine lange Zeit auf der Hefe. Die Weine bringt er dann auf den Markt, wenn sie für ihn fertig sind.  Das heißt dann auch schon mal, daß man einen Wein erst nach ein paar Jahren kaufen kann, wenn er vorher noch im Fass oder der Flasche bei ihm im Keller gelegen hat.

Die Qualität seiner Weine ist wirklich beeindruckend, davon konnte ich mich bei meinem Besuch im Mai 2016 überzeugen. Dabei begeisterten mich aber nicht nur die Rieslinge sondern auch die Rotweine, denn Markus Monitor beherrscht auch die Königsdisziplin: Pinot Noir.

Die Genetik seiner Reben stammt dabei zum großen Teil aus Chambolle-Musigny und die Fässer kommen von  Mercurey.

http://markusmolitor.com 

 

Pinot Noir – Teil 2 – Weingut Rudolf Fürst

Wir haben ziemlich großes Glück hier in Deutschland was Pinot Noir anbelangt. Das ist vielen noch immer nicht wirklich bewußt.

Denn es gibt einige deutsche Winzer,  die bei internationalen Pinot Noir-Verkostungen immer wieder unter den Besten landen und deren Weine noch bezahlbar sind.

Pinot Noir hat natürlich immer seinen Preis, erfordert er doch strengste Selektion der Trauben im Weinberg und kompromissloses Qualitätsstreben im Keller, short cuts gibt es nicht.

Deshalb muss man auch unterscheiden zwischen leckeren Einstiegs Spätburgundern um die 15-20 Euro  und den jeweiligen Top Weinen der Winzer, die bei ca. 50 Euro anfangen. In Burgund ist das Preisgefüge ein ganz anderes, die Top Liga ist dort nicht unter 150 Euro zu haben und die Domaine oder Frau Leroy sind im Handel schnell mal vierstellig.

Mich überzeugen in Deutschland  die Pinot Noir’s der Familie Fürst seit vielen Jahren.

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Pinot Noir verzeiht keine Fehler, das wissen wir alle. Versucht der Winzer irgendwo in der Kette von der austreibenden Rebe im Frühjahr bis zum Abfüllen des Weines einen Kompromiss zu machen, wird man das später schmecken. Deshalb gibt es ja auch so wenige Spitzen Pinot’s. Eines ist für mich sicher, das Terroir für Pinot Noir haben wir hier in Deutschland und zum Glück waren viele deutsche Winzer clever genug auf eine gute Selection Masalle zu setzen und nicht den Fehler vieler kalifornischer und neuseeländischer Winzer zu machen, die es mit reinsortigen Klonen versucht haben. So kommt Komplexität in den Wein.

Die Fürst’s haben 3 Spätburgunderlagen: Hundsrück, Schlossberg und Centgrafenberg. In allen Lagen steht eine Mischung aus deutschen und burgundischen Klonen, Neuanpflanzungen und Ersatz für alte Reben werden eher mit französischen Klonen durchgefüht. Die meisten Reben sind im besten Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Wir befinden uns in Franken, dass heißt gemäßigtes bis kühles Kontinental-Klima mit  kühlen Nächten, die dem Wein ein gutes Säurerückrad verleihen. Durch den Klimawandel reifen die Trauben regelmäßig voll aus. Die Unterschiede zwischen den Lagen sind deutlich schmeckbar und jeder wird hier seinen persönlichen Favoriten finden. Das ist ja gerade die Kunst, das Terroir zu interpretieren und schmeckbar zu machen.

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Mindestens 50 Prozent der Ernte werden als ganze Trauben vergoren, weil Sebastin Fürst die “minzige” Frische der Kämme im Wein haben möchte. Das hat auch den Vorteil, für eine sehr gute Alterungsfähigkeit zu sorgen. Noch entscheidender als ohnehin schon, ist hier der richtige Lesezeitpunkt, ansonsten wäre der Geschmack der Kämme zu grün.

Bei der Kaltmazeration wird sehr vorsichtig vorgegangen, nicht zu lange, nicht zu kalt – “weniger ist hier mehr”, könnte man das auf den Punkt bringen. Nach der Fermentation und Mazeration und dem Zufügen des schonend erzeugten Pressweins kommen die Weine für einige Monate in Barrique Fässer.

Dabei arbeitet er mit mehreren französischen Fasslieferanten der Top-Liga zusammen. Ich wusste vorher zum Beispiel gar nicht, dass es eine Exklusiv-Serie von Francois Freres gibt, wo das Holz 36 Monate an der Luft lagert. Das macht den Einfluss des Holzes deutlich sanfter.

http://www.francoisfreres.com/ang/produit.html

Das Toasting der Fässer bewegt sich meist im Medium-Bereich und es wird eine Mischung aus alten und neuen Fässern verwendet. Das Holz soll schliesslich nicht schmeckbar sein, sondern Struktur und Haltbarkeit schaffen.

Zum Abfüllen sucht Sebastian Fürst dann die besten Fässer heraus und entscheidet über die endgültige Zusammensteillung der jeweiligen Lagenweine.

Nachdem ich die Jahrgänge 2014 und 2015 als Fassproben schon probieren durfte kann ich nur sagen:  Da kann man sich jetzt schon drauf freuen.

Besonders aufgefallen ist mir die Balance, Eleganz und Finesse der Weine. Da treffen Talent, Fleiß und Bauchgefühl zusammen. Es gibt soviel Stellschrauben und Abzweige die man nehmen kann , möchte man einen wirklich großen Pinot erschaffen – die Fürst’s bekommen es hin.