100 Punkte – Pierre Gagnaire – Are you ready?

Die Frage: “Bist Du bereit für ein Restaurant?” hatte ich mir vorher noch nie gestellt. Warum auch, schließlich geht es “nur” um Essen und Genießen.

Aber nicht nur Jürgen Dollase hatte geschrieben, dass die Aromenkombinationen bei Pierre Gagnaire einen großen Gourmet-Erfahrungshintergrund und eine große Offenheit für neue Eindrücke verlangen. Auch in einigen Internet Blogs konnte man dies nachlesen. Hatte ich also in den letzten Jahren wirklich genug “Sterne verfuttert” und meine Sinne ausreichend geschärft? Diese Fragen konnten nur durch einen Besuch in Paris beantwortet werden.

Am Freitag, den 15. Mai 2009 war es dann endlich soweit.

Und so war ich dann doch etwas nervös, als ich am Freitag in der Rue Balzac eintraf. Die Vorfreude überwog jedoch und mein Bauchgefühl war mehr als gut und dies war bislang (zum Glück) immer ein gutes Zeichen. Soviel sei jetzt schon mal verraten, das Bauchgefühl war richtig, denn es war eines der besten Menüs, das ich je genießen durfte.

Würde man eine 100 Punkte-Skala  für die Bewertung des Essens verwenden, so würde ich für die  Harmonie der Aromen und die Produktqualität glatte 100 Punkte verteilen. Aromatisch auf diesem Niveau hatte ich bislang sehr selten gegessen. Wenn ich einen Vergleich aus der Welt der Musik bemühen möchte, so fällt mir spontan Mozart ein:  Komplexe Stukturen, die sich sehr eingängig anhören.

Ich hatte das große Degustationsmenü, ein Glas Jahrgangs-Champagner als Aperitif und Tissot-Chardonnay zur Menübegleitung.

Der Service war sehr gut.  Als ich während des Menüs spontan nachfragte, ob ich einen Blick in die Küche werfen könnte, wurde mir das gerne ermöglicht.

Kann man besser kochen? Ich würde sagen: Nein! Auf diesem Niveau entscheiden persönliche Präferenzen. Der Schwerpunkt liegt auf der Kombination von Aromen und hinreißenden Geschmacksakkorden. Wer eine Avantgardeküche mit vielen Texturvariationen bevorzugt wird eventuell in anderen Restaurants glücklicher, aber das ist die Frage nach unterschiedlichen Kunstrichtungen auf allerhöchstem Niveau.

Spontan bin ich dann noch in die Bretagne gefahren, genauer gesagt nach Cancale. Nicht nur weil ich die Bretagne und die Küste am Kanal und Atlantik so mag hatte ich dieses Reiseziel ausgewählt. Oliver Roellinger war auch ein Ziel. Ich wollte wissen, was aus seinem Restaurant und Hotel geworden ist, nachdem er (leider) sein eigentliches Gourmetrestaurant (***) geschlossen hat. Mein Eindruck war dann jedoch, dass dort zur Zeit eher noch in oder besser gesagt von der Vergangenheit gelebt wird. Schade, dass ich nicht in früheren Jahren die Gewürz- und Fischküche von Olivier Roellinger erleben durfte.

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