Großer Glastest: “Does one size fit all?”

Glastest

Bei vielen Weinproben in letzter Zeit standen Zalto Universalgläser auf dem Tisch. Und irgendwie hatte ich mich schon daran gewöhnt. In der Diskussion mit vielen Weinfreunden zum Thema Glas drehte sich das Thema dann meistens um Zalto Universal oder Gabriel Gold. Zuhause griff ich für die meisten Gelegenheiten dann auch auf das Zalto Universal zurück, egal ob weiß, rot oder Champagner. Es war ja auch sehr bequem nur ein Glas benutzen zu müssen. Doch ist das eigentlich eine gute Idee?

In Südtirol von einigen Wochen trank ich dann einen Rotwein aus einem Sophienwald Glas, das ich vorher noch nicht kannte. Es war ein roter Burgunder von Armand Rousseau. Nicht einer der ganz großen, aber das Glas holte doch sehr viele Details aus dem Wein.

Bislang hatte ich für roten Burgunder immer meine Zalto Burgund verwendet. Zurück in Deutschland beschloss ich der Sache einmal auf den Grund zu gehen und organisierte mir die Sophienwald Rotwein Gläser um damit ein bisschen zu testen. Durch Zufall sah ich dann, dass Frank Rembold, ein Weinfreund von mir auch gerade Gläser testete und wir beschlossen uns doch einfach mal auf einen ausführlichen Glastest zu treffen.
Wir sprachen über unsere Erfahrungen und beschlossen die derzeit beliebtesten Gläser in den Test aufzunehmen. Das ist das Sortiment von Zalto: Weiß, Universal, Bordeaux und Burgund. Das Gabriel Glas musste unbedingt auch dazu, verspricht es doch mit einem Glas die komplette Weinwelt abdecken zu können.

Damit so ein Test bei aller Subjektivität Aussagekraft hat, mussten aussagefähige Weine her. Neben den ganzen analytischen Details interessierte uns vor allem der Trinkspaß, den der Wein mit dem jeweiligen Glas machte. Wir wählten junge und alte Weine, Aromenstarke und Leise, Komplexe und Fruchtbetonte. Das ist natürlich nie komplett, aber die wichtigsten Stile hatten wir dabei. Da wir beide auf Finesse, Struktur, Balance und eher die leisen Details im Wein Wert legen, sind die Ergebnisse auch eher für einen Weintrinker mit ähnlichem Geschmacksbild geeignet.

Wir konzentrierten uns auf die jeweilige Nase des Weines. Wie komplex war diese, wie harmonisch, was wurde betont, was unterdrückt? Wieviel Spaß machte der Wein aus dem jeweiligen Glas? Ähnlich wie bei guter Musik, wo ein Syphonieorchester als ganzes wahrgenommen wird und es manchmal auch auf ein einzelnes Instrument ankommt.

Frank hat die Details in seinem Bericht bestens beschrieben, da decken sich unsere Eindrücke. Seine Notizen findet ihr hier:

http://www.maluni-weine.de/blogs/wein-blog/weinglaeser-im-test/

Wer jetzt gedacht hätte, das sich die Unterschiede im Millimeterbereich abspielten, liegt leider falsch, das waren richtig große Unterschiede. Nach einem langen Abend gab es dann ein Siegerglas und eine echte Überraschung.

Ich fange gleich mal mit der Überraschung an: Sieger komplexe Weine weiß wurde das Sophienwald Rotwein Glas. Kein Glas hatte bei den Weißweinen in dieser Beständigkeit diese herrliche Balance aus Harmonie und riechbaren Details. Es betonte beim Von Winning (Pechstein 2014) nicht das Holz, sondern zeigte die noch sehr jugendliche Vielschichtigkeit des Weines. Bei der von mir im Nachgang verkosteten Van Volxen Horizontalen aus dem Jahrgang 2008 (Pergentknopp, Gottesfuss, Kanzemer Altenberg) zeigte es vortrefflich die Lagenunterschiede. Bei 2 Chardonnays (Burgund 1er Cru und Kalifornien) zeigte es das komplette Geschmacksspektrum von Hefe-Autolyse über Holz hin zu leichten Fruchtarmomen im Hintergrund.  Es konnte die Komplexität in Harmonie übersetzen. Die anderen Gläser zeigten auch viele Details, konnten aber nicht mithalten.

Sieger Rot wurde mit beträchtlichem Abstand das Zalto Burgund. In seiner Paradedisziplin Pinot Noir (ABC Isabelle 2011) war das nicht erstaunlich. Es hatte aber auch die Eigenschaft, den sehr gut gereiften 1975 Ch. Lascombes ins richtige Licht zu setzen. Die Harmonie und Komplexität des Weines gab kein anderes Glas so perfekt wieder. Der Wein, obwohl kein ganz großes Chateau war ein Riesen-Genuß. Das große Bordeax Glas von Spiegelau war chancenlos, es war weder harmonisch noch zeigte es die Details des Weins. Das Gabriel Glas betonte für meinen Geschmack zu sehr bestimmte Aromen (Reifearomen), ohne hier aber eine Harmonie zu erreichen. Für Proben kann es aufgrund seiner analytischen Fähigkeiten aber gut geeignet sein.

Das Zalto Rotweinglas war meistens überanalytisch, das Sophienwald Rot betonte zu sehr die Frucht bei den Weinen und überlagerte die Wahrnehmung anderer Aromen. Die war gerade bei Weinen mit mehr Körper sehr auffällig. Die Komplexität des herrlichen Salaux 2011 konnte es nicht zeigen. Ich werde es nur für Weißwein einsetzen.

Das Zalto Universal spielte seine Stärken bei Süssweinen aus (getestet mit 12 Süssweinen, darunter aus em tollen Jahrgang 2005 eine Auslese lange Goldkaspel vom Karthäsuerhof, JJ Prüm Graacher Himmelreich Spätlese 2009  und ein sehr stimmiges Kabinett von Egon Müller aus dem Jahr 2005).

Das Geschmacksbild im Mund wurde nur dadurch leicht beeinflusst, wie dick der Rand des jeweiligen Glases war, und wie groß das Glas ist, weil dann der “Schluckwinkel” intuitiv beeinflusst wird. Ein Geheimnis der Riedel Gläser mit den vielen verschiedenen Größen.  Die „Abbruchkante“, dass heisst wir dick oder dünn das Glas ist und wie es geschliffen ist,  hat einen Einfluss, wie der Wein auf die Zunge kommt. Da wir nur mit dünnwandigen Gläsern getestet haben war dieser Einfluss zu vernachlässigen.

Als Fazit kann man festhalten, das die Theorie von dem einem Alleskönner leider zu den Akten gelegt werden muss. Es lohnt sich aber die Investition in beste Gläser.

Ich werde in Zukunft folgende Gläser nutzen

Rot: Zalto Burgund

Weiß: Sophienwald Rotweinglas

Süssweine und Champagner: Zalto Universal

Weinproben: Gabriel Gold

So ein Glastest ist natürlich immer subjektiv und nimmt einem nicht den Spaß ab, doch wieder einmal selber rumzutüfteln und natürlich gibt es auch noch viele andere tolle Glashersteller.

Berichtet gerne über Eure  gemachten Erfahrungen.

2 Gedanken zu „Großer Glastest: “Does one size fit all?”“

  1. Hallo Olaf, sehe ich das richtig, dass eigentlich alle Gläser eigentlich die selbe Formgebung haben? Also kantig mit starker Kaminform sind? Wäre es nicht interessanter, diesen Typ neben die eher runden formen klassischer Gläser aus der Riedel Sommelier-Serie oder der Zwiesel-Enoteca-Serie zu stellen? Gerade da finde ich, merkt man doch überaus markante Unterschide zwischen Rund = eher harmonischer Gwesamteindruck gegen eckig = eher analytischer Eindruck. Wäre auf jeden Fall als Ergänzung einen Versuch wert, finde ich.

    1. Hi Christoph, wir hatten die klassische Form in 4 Varianten auch mitgetestet: Riedel Sommelier, Spiegelau und 2 Gläser in der klassischen Tulpenform von Schott Zwiesel. Die konnten allerdings alle in keiner Disziplin vordere Plätze einnehmen. Sie zeigten für unseren Geschmack zu wenig Feinheiten. Ich würde das auch nicht auf Rund gegen eckig reduzieren wollen. Wir sind an anderen Ergebnissen natürlich sehr interessierst, teste doch gerne einmal selbst und berichte über Deine Erfahrungen.

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