Meininger’s Finest 100 – International Wine Summit 2016

Zeit: Dienstag, 22 November 2016 um 11 Uhr

Location: Saalbau, Neustadt an der Weinstraße.

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Meiniger hatte zum ersten Finest 100 Wine Summit in den Saalbau eingeladen. 100 der weltweit besten Weingüter waren vor Ort und präsentierten den deutschsprachigen Top Sommeliers Ihre Weine.

So etwas gab es bislang nur in London und New York und die Vorfreude bei allen beteiligten Winzern und Sommeliers war groß, das merkte man schon beim Betreten des Saals.

Mein erster Gang führte mich zu Tisch 100, das hatte ich Petra Pahlings und Katharina Prüm versprochen.

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H.O. Spanier schaute derweil bei Österreichs Altmeistern, Emmerich Knoll und Franz Hirztberger vorbei.

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Doch jetzt hieß es erst mal sich mit dem richtigen Tasting Glas zu bewaffnen, Maximilian Riedel hatte die Veranstaltung sehr gut ausgestattet mit verschieden Glastypen.

Es gab jede Menge Highlights zu verkosten, darunter Romanée Conti, Ciacomo Conterno und Vega Sicilia.

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Viele Winzer hatten ihre aktuellen Jahrgänge und gereifte Weine dabei und konnten so zeigen, wie gut sich ihre Weine entwickeln.

Beim Champagner waren u.a.Krug, Agrapart und Eric Rodez vertreten.

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Alle Winzer und Sommelier waren voll des Lobes, weil es viel Zeit gab zum Probieren und Fachsimpeln.

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Die Veranstaltung hat echt Maßstäbe gesetzt und war perfekt organisiert. Ich freue mich schon auf den 2ten Wine Summit im Jahr 2017.

Hanno und Dorothee Zilliken – Saar Rieslinge mit Weltruf

Die präzisen und feinsinnigen süßen Auslesen von Zilliken gehören für mich seit Jahren zu den besten Süßweinen der Welt. Bei der GroßerRing Versteigerung in Trier hatte mich der aktuelle Jahrgang 2015 sehr beeindruckt. Als ich dann noch vor einigen Wochen das Glück hatte eine Versteigerungs-Lange-Goldkaspsel-Auslese aus dem hervorragenden Süßwein Jahrgang 2005 trinken zu dürfen, war meine Neugier geweckt und ich fragte Dorothee, ob ich sie einmal besuchen dürfte um mir vor Ort anzuschauen, wo das Geheimnis dieser Eleganz und Feinheit liegt.

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10 Hektar haben die Zillikens im Saarburger Rausch.

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Die Steillage liegt oberhalb von Saarburg. Das Klima ist hier deutlich rauher als an der Mosel. Das sorgt für Säure und Frische im Wein, beste Vorrausetzungen für edelsüße Auslesen mit langer Haltbarkeit.

Im Keller, der sich über 2 Etagen erstreckt, liegen auf der unteren Etage ca. 50 Jahre alte Fuderfässer, in denen der Wein ausgebaut wird. Dorothee erzählt uns, dass der Inhalt der Fässer variert, manche haben 1010, andere 1050 Liter Inhalt.

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Die Luftfeuchtigkeit in diesem Raum liegt nahe bei 100%, was dazu führt das aus den Fässern (fast) kein Wein durch das Holz diffundieren kann.  Die Temperatur liegt bei kühlen und konstanten 11 Grad Celsisus. An der Decke bilden sich Tropfsteine wie in einer Höhle.

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Das sind Idealbedingungen für eine langsame, schonende Gärung und die anschliessende Lagerung im Fass. Auch Korken halten so ewig und aus hier gelagerten Flaschen würde kein Wein bei der hohen Luftfeuchtigkeit entweichen können. Einziger Nachteil, Papier würde hier Stock-Flecken bekommen und deshalb können Flaschen hier nicht ettiketiert gelagert werden.

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Im Gespräch erläutert Hanno Zilliken später seine Philosophie der Weinbereitung

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und wir haben das Glück etwas von der Beerenauslese 2015 probieren zu dürfen, deren Leichtigkeit uns fast schweben lässt.

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Pinot Noir – Teil 4 – Ernte 2016 im Weingut Rudolf Fürst

„Grau is alle Theorie – entscheidend is auf’m Platz“

Das schöne Zitat von Adi Preißler passt nicht nur wunderbar zum Fussball, ich finde in der Welt der guten Weine ist es mindestens genauso gültig. Deshalb habe ich mich Ende September 2016 auf den Weg gemacht, Sebastian Fürst bei der Ernte einen Tag über die Schulter zu schauen.

Eines ist mir an diesem Tage besonders klar geworden: Das ein großer Wein nur entstehen kann, wenn im Weinberg äusserst sorgfältig gearbeitet wird und wenn der Winzer ein Gefühl für seine Reben hat.

Die Arbeit im Weinberg ist mit viel Fleiss und Aufwand verbunden. Die  Wirtschaftsweise der Fürsts ist aufwändig, aber das sieht und spürt man finde ich. Auch wenn ich kein Fachmann bin, ist mir der gute und lebendige Boden aufgefallen.

IMG_0621Auch eine gute Laubwandarbeit ist wichtig. Dabei geht es nicht nur um das Laubwand-Frucht Verhältnis, auch die Beschattung der Trauben ist zu bedenken. Hier gibt es beim Freistellen der Trauben unterschiedliche Varianten. Das geht vom kompletten Entblättern bis zum gezielten stehen lassen einiger Blätter, damit die Trauben keinen Sonnenbrand bekommen, aber trotzdem gut belüftet werden.

Durch die stabile Wetterlage der letzten Wochen konnten die Trauben auch sehr gut ausreifen, dabei hatte das Jahr 2016 ja so schwierig angefangen.

Weil ich wissen wollte, wie Beeren und Kerne schmecken, habe ich einige probiert. Vielleicht bilde ich mir das ein, aber ich finde man schmeckt den Unterschied zwischen deutschen und französischen Klonen.

Man merkt auch beim zerkauen der Kerne welche unreif, reif und überreif sind. Bei den Unreifen schmeckt es einfach viel zu grün, bei den sehr reifen Beeren fehlt die Spannung.

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Das dürfte sich, so würde ich mal mutmaßen auf den späteren Wein übertragen. Da ist dann wohl eine echte Gratwanderung, den richtigen Erntezeitpunkt für die einzelnen Lagen festzulegen.

Die folgenden Bilder sind im Hundsrück aufgenommen. In diese Lage habe ich mich verliebt, sie hat etwas Majestätisches und strahlt eine große Ruhe auf mich aus. Ich bin vor Sonnenaufgang aufgestanden um dort einen Spaziergang zu machen.

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Am Vorabend durfte ich sogar im Keller zuschauen und verschiedene Stufen des gärenden Mostes probieren. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei der Familie Fürst und allen Mitarbeitern des Weingutes für die tolle Unterstützung bedanken.

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Der Riesling Jahrgang 2015 in Deutschland – wie entwickelt sich eigentlich ein hochgelobtes Jahr?

Das Weinjahr 2015 wird teilweise hochgelobt, die kritischen Stimmen waren bislang eher in der Minderheit. Gerade werden in Wiesbaden die Großen Gewächse 2015 verkostest. Wie jedes Jahr sitzt dort ein Fachpublikum und absolviert einen echten Marathon. Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe, werden am ersten Tag alleine ca. 150-200 Weine verkostet. Das bringt wahrscheinlich selbst den erfahrensten Verkoster an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit würde ich einmal schätzen. Auf jeden Fall haben wir danach ein erstes Stimmungsbild.

Jeder kann sich bestimmt an den Sommer 2015 zurück erinnern. In einigen Weinbaugebieten führte der Witterungsverlauf zu gleichzeitig sehr guter Reife bei erstaunlich hohen Säurewerten. Es gab aber auch Weinbaugebiete, in denen die Reben unter Hitze- und Trockenstress litten.

2015 war auch das Jahr, in dem ich einen Tag in der Pfalz bei der Ernte helfen durfte.

Grund genug finde ich, einmal zu schauen, wie sich die Weine aus diesem Jahr in den kommenden Jahren entwickeln werden. Durch die Klimaerwärmung werden die Weinjahre immer extremer. Kein leichter Job für die Winzer. Sie werden vor immer größere Herausforderungen gestellt.

Meine Idee ist, einige Weine selber zu verkosten und mir gezielt Verkostungsmeinungen renommierter Kritiker herauszugreifen und dann in ein paar Jahren zu überprüfen, was aus den Weinen tatsächlich geworden ist.

In Zeiten der Social Media kann man in Echtzeit bereits erste veröffentlichte Eindrücke von den Weinen auf Facebook nachlesen. Die sind bislang eher im  positiven Bereich. Im Nachgang veröffentlichen dann die „offiziellen“ Kritiker ihre Punkte und Verkostungsnotizen.

Ich bin gespannt, wie das Gesamtbild aussieht.

Riesling – Teil 3 – Moselriesling 2015 von Martin Conrad

Der Riesling Jahrgang 2015 ist an der Mosel sehr gut ausgefallen. Da lohnt es sich doch mal zu schauen, bei wem man sich eindecken sollte. Ein  Geheimtipp ist Martin Conrad, ihm ist die Interpretation des Jahrgangs besonders gut gelungen finde ich. Davon konnte ich mich bei einem Besuch im Mai 2016 überzeugen.

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Er verfügt  unter anderem über eine Parzelle in der Brauneberger Juffer Sonnenuhr und seinen Top Wein gibt es ab September 2016 in kleiner Menge zu kaufen. Da wird man schnell sein müssen, denn die Weine von Martin Conrad haben es auch auf die  Weinkarten einiger Sylter Restaurants und ins Münchner Tantris geschafft und die wollen auch beliefert werden.

Sehr empfehlenswert ist auch die Conradus-Serie in trocken und feinherb und das Kabinett in  fruchtsüss.

Wer erleben möchte, das Weißburgunder so richtig burgundisch fein schmecken kann, sollte sich mit dem Gavius 2015 eindecken.

http://www.martinconrad.de

Riesling – Teil 2 – Markus Molitor

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Markus Molitor gehört zu den Winzern, die Dinge zu Ende denken, die Kompromisse im Weinberg oder der Weinbereitung nicht mögen. Das zeichnet ihn als Ausnahmewinzer aus, der das gesamte Repertoire vom trockenen Lagenriesling bis zur Versteigerungs-TBA bestens beherrscht und zusammen mit Egon Müller die Rangliste der besten und teuersten TBA anführt.

94% seiner Weinberge sind mit Riesling bestockt, zum Teil bis zu 120 Jahre alt, alles auf Steil- und Steilstlagen, die er in den letzten Jahren mühsam zusammengesucht und erworben hat. Er dürfte damit über eines der spannendsten Lagen-Portfolios in Deutschland verfügen. Das im Süßwein Bereich übliche Vorgehen in verschieden Lesedurchgängen die Trauben zu ernten wendet er auch für trockene und feinherbe Weine an und kennzeichnet die Besten so entstandenen, einzeln ausgebauten Weine mit einem Sterne-System. 3 Sterne bekommt dabei der Top Wein.

“Wenn in den vielen Tagen im Weinberg sorgsam gearbeitet wurde, muss im Keller fast nichts für einen perfekten Wein getan werden.”

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Das heißt für ihn, auf eine alte Genetik seiner Rieslingreben zu setzen mit niedrigen Erträgen und kleinbeerigen Trauben, die aromatischer und weniger anfällig für Pilzerkrankungen sind und es ihm erlauben auf den richtigen Erntezeitpunkt warten zu können.  Bei ihm gibt es nur Handlese und er setzt auf ein großes Team sehr gut ausgebildeter Erntehelfer, damit er zum richtigen Zeitpunkt ernten kann, wie die Top Chateaus im Bordelais es auch machen. Deshalb kann er auch bei einer recht großen Betriebsgröße von 90 Hektar absolute Top Qualität erzeugen.

Interessant ist auch, dass er eine High Tec Korbpresse einsetzt, mit dem Ergebnis weniger Trübstoffe im Most zu haben, als Winzer die auf die inzwischen gängigen pneumatischen Horizontalpressen setzen.

Im Keller setzt er auf  Spontanvergärung, großesHolz, sowie auf eine lange Zeit auf der Hefe. Die Weine bringt er dann auf den Markt, wenn sie für ihn fertig sind.  Das heißt dann auch schon mal, daß man einen Wein erst nach ein paar Jahren kaufen kann, wenn er vorher noch im Fass oder der Flasche bei ihm im Keller gelegen hat.

Die Qualität seiner Weine ist wirklich beeindruckend, davon konnte ich mich bei meinem Besuch im Mai 2016 überzeugen. Dabei begeisterten mich aber nicht nur die Rieslinge sondern auch die Rotweine, denn Markus Monitor beherrscht auch die Königsdisziplin: Pinot Noir.

Die Genetik seiner Reben stammt dabei zum großen Teil aus Chambolle-Musigny und die Fässer kommen von  Mercurey.

http://markusmolitor.com 

 

Pinot Noir – Teil 2 – Weingut Rudolf Fürst

Wir haben ziemlich großes Glück hier in Deutschland was Pinot Noir anbelangt. Das ist vielen noch immer nicht wirklich bewußt.

Denn es gibt einige deutsche Winzer,  die bei internationalen Pinot Noir-Verkostungen immer wieder unter den Besten landen und deren Weine noch bezahlbar sind.

Pinot Noir hat natürlich immer seinen Preis, erfordert er doch strengste Selektion der Trauben im Weinberg und kompromissloses Qualitätsstreben im Keller, short cuts gibt es nicht.

Deshalb muss man auch unterscheiden zwischen leckeren Einstiegs Spätburgundern um die 15-20 Euro  und den jeweiligen Top Weinen der Winzer, die bei ca. 50 Euro anfangen. In Burgund ist das Preisgefüge ein ganz anderes, die Top Liga ist dort nicht unter 150 Euro zu haben und die Domaine oder Frau Leroy sind im Handel schnell mal vierstellig.

Mich überzeugen in Deutschland  die Pinot Noir’s der Familie Fürst seit vielen Jahren.

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Pinot Noir verzeiht keine Fehler, das wissen wir alle. Versucht der Winzer irgendwo in der Kette von der austreibenden Rebe im Frühjahr bis zum Abfüllen des Weines einen Kompromiss zu machen, wird man das später schmecken. Deshalb gibt es ja auch so wenige Spitzen Pinot’s. Eines ist für mich sicher, das Terroir für Pinot Noir haben wir hier in Deutschland und zum Glück waren viele deutsche Winzer clever genug auf eine gute Selection Masalle zu setzen und nicht den Fehler vieler kalifornischer und neuseeländischer Winzer zu machen, die es mit reinsortigen Klonen versucht haben. So kommt Komplexität in den Wein.

Die Fürst’s haben 3 Spätburgunderlagen: Hundsrück, Schlossberg und Centgrafenberg. In allen Lagen steht eine Mischung aus deutschen und burgundischen Klonen, Neuanpflanzungen und Ersatz für alte Reben werden eher mit französischen Klonen durchgefüht. Die meisten Reben sind im besten Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Wir befinden uns in Franken, dass heißt gemäßigtes bis kühles Kontinental-Klima mit  kühlen Nächten, die dem Wein ein gutes Säurerückrad verleihen. Durch den Klimawandel reifen die Trauben regelmäßig voll aus. Die Unterschiede zwischen den Lagen sind deutlich schmeckbar und jeder wird hier seinen persönlichen Favoriten finden. Das ist ja gerade die Kunst, das Terroir zu interpretieren und schmeckbar zu machen.

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Mindestens 50 Prozent der Ernte werden als ganze Trauben vergoren, weil Sebastin Fürst die “minzige” Frische der Kämme im Wein haben möchte. Das hat auch den Vorteil, für eine sehr gute Alterungsfähigkeit zu sorgen. Noch entscheidender als ohnehin schon, ist hier der richtige Lesezeitpunkt, ansonsten wäre der Geschmack der Kämme zu grün.

Bei der Kaltmazeration wird sehr vorsichtig vorgegangen, nicht zu lange, nicht zu kalt – “weniger ist hier mehr”, könnte man das auf den Punkt bringen. Nach der Fermentation und Mazeration und dem Zufügen des schonend erzeugten Pressweins kommen die Weine für einige Monate in Barrique Fässer.

Dabei arbeitet er mit mehreren französischen Fasslieferanten der Top-Liga zusammen. Ich wusste vorher zum Beispiel gar nicht, dass es eine Exklusiv-Serie von Francois Freres gibt, wo das Holz 36 Monate an der Luft lagert. Das macht den Einfluss des Holzes deutlich sanfter.

http://www.francoisfreres.com/ang/produit.html

Das Toasting der Fässer bewegt sich meist im Medium-Bereich und es wird eine Mischung aus alten und neuen Fässern verwendet. Das Holz soll schliesslich nicht schmeckbar sein, sondern Struktur und Haltbarkeit schaffen.

Zum Abfüllen sucht Sebastian Fürst dann die besten Fässer heraus und entscheidet über die endgültige Zusammensteillung der jeweiligen Lagenweine.

Nachdem ich die Jahrgänge 2014 und 2015 als Fassproben schon probieren durfte kann ich nur sagen:  Da kann man sich jetzt schon drauf freuen.

Besonders aufgefallen ist mir die Balance, Eleganz und Finesse der Weine. Da treffen Talent, Fleiß und Bauchgefühl zusammen. Es gibt soviel Stellschrauben und Abzweige die man nehmen kann , möchte man einen wirklich großen Pinot erschaffen – die Fürst’s bekommen es hin.

 

 

 

 

Winzerserie – Österreich – Kamptal – Martin & Anna Arndorfer

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Wer mich kennt, weiß, dass ich Natural Wein im Regelfall nicht soviel abgewinnen kann. Umso erstaunlicher wenn ein Sommelier es schafft mich damit zu begeistern und so war es ein Müller Thurgau Per Se aus der Naturwein-Serie von Martin Arndorfer der mich auf die Fährte dieses Jungwinzern geführt. Dabei habe ich festgestellt, das Martin Arndorfer ein wahres Mulit-Talent ist und die Natural Weins nur ein kleiner Ausschnitt aus einem hervorragenden Sortiment sind.

Im WienerWeinbistro “o boufés” von Konstantin Filippou’s  bin ich mit ihm an einem Abend im April 2015 verabredet.  Auch Martin ist wie Urban Stagard, den ich am Vortrag traf, auf der Karte von Aldo Sohm vertreten und sein Exportanteil in die USA beträgt erstaunliche 80%.  Martin teilt das Weingut mit seinen Eltern und auf 8 ha baut er unter anderem Grünen Veltliner, Riesling, Neuburger, Chardonnay und auch Rotwein an. Der Betrieb ist in Umstellung auf biologische Bewirtschaftung und Martin arbeitet mit viel Fingerspitzengefühl im Weinberg. Im Keller setzt er auf  unterschiedlichen Fassformen und Größen, auf Holz und Edelstahl. Darüber hinaus ist Hefekontakt und Maischeeinsatz ein wichtiges Thema oder das Reduzieren bis zum totalen Weglassen der Schwefelung. Ziel sind Vielschichtigkeit und das Spiel der Aromen. Dadurch werden unterschiedliche Dimensionen im Wein erlebbar. Dabei werden die Weine nicht manipuliert, es geht vielmehr darum, die Aromatik aus den Weingärten zu interpretieren. Das gelingt ihm sehr gut und es lohnt sich aus allen seinen Serien Weine zu probieren. Zum Einstieg würde ich den 2015 gemischen Satz und seine Chardonnay-Neuburger Cuvée empfehlen.

Pinot Noir – Teil 3 – Vorsprung durch Technik oder gute alte Zeit?

Ich liebe es in geselliger Runde die große bunte Welt der Pinot Noirs zu erkunden. Meistens läuft das etwas unsystematisch und geht eher nach dem Motto, schmeckt mir großartig oder viel Geld für wenig Wein. Pinot Noir ist schließlich manchmal auch ein Minenfeld, wo eine gute Orientierung gefragt ist.

Martin Kössler von der Weinhalle in Nürberg und Christin Baumeister von Weinerleben hatten die Idee,  Anspruch und Struktur in eine weltweite Pinot Noir Probe zu brigen. Da musste ich natürlich dabei sein. Wie schmecken eigentlich unterschiedliche Klone und die verschiedenen Techniken im Keller (zum Beispiel Kaltmazeration, Whole Cluster Einsatz, Maceration Carbonique, Hefekontakt, Fasseinsatz, etc.)

Das war richtig spannend und hat jede Menge Spaß gemacht. So erstaunlich das klingt,  die Unterschiede waren deutlich zu schmecken und auch wenn man dabei bestimmt nicht immer richtig liegt, nach dem Verkosten kann man jetzt vorsichtig Rückschlüsse ziehen, wie der Wein wohl entstanden ist.

Die folgenden Weine waren dabei:

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Ich habe mich dann nach der Probe gefragt, wie wohl die einzelnen Techniken entstanden sind und da lohnt ein Blick in die Geschichte des Pinot Noirs in Burgund.

Schaut man sich hier einmal an, wie Pinot Noir früher gemacht wurde, so fanden sich in den Weinbergen eine Mischung verschiedener Klone mit unterschiedlichen Eigenschaften. Die waren natürlich nicht alle gleich ertragsstark oder resistent gegen Krankheiten, dürften aber durchaus unterschiedliche Geschmacksprofile gehabt haben, so dass eine interessante Mischung garantiert war.

Der heutige Versuch mit reinsortigen Klonen zu arbeiten führt manchmal zu etwas Eintönigkeit im Geschmack ist mein Eindruck und je variantenreicher die Klone sind, vorausgesetzt sie sind qualitativ hochwertig, desto interessanter wird der spätere Wein.

Nach der Lese dauerte es in den kalten Kellern von Burgund eine Zeit bis die Gärung durch natürliche Hefen startete. Eine Form der nicht kontrollierten Kaltmazeration. Dieses Stilmittel wird heute leider vielfach überstrapaziert, indem man versucht durch Kalt-Mazeration Farbe und Frucht zu extrahieren.

Wurden ganze Trauben in das Gärfass gegeben, so kam es auf natürliche Weise zu einer teilweisen Maceration Carbonique und auch die Rappen konnten sich strukturell auswirken, in unreifen Jahren allerdings dann auch enentuell zum geschmacklichen Nachteil.

Beim Presswein wurde wahrscheinlich nicht die selbe Vorsicht walten lassen wie heute und dies könnte zu manchen Bitteraromen geführt haben.

Teilweise blieb der Wein bewusst oder unbewusst längere Zeit auf der Hefe liegen, auch dies hat geschmacklichen Einfluß. Beim späteren reifen im Fass wurden wahrscheinlich die Fässer eingesetzt, die gerade zur Verfügung standen, eine Mischung aus alt und neu und vielleicht auch verschiedenen Toasting Graden.

Die Weine waren nicht so berechenbar wie heute, aber es wird von Erzeugern mit gutem Wissen und Bauchgefühl bestimmt viele interessante Weine gegeben haben.

In der Neuzeit gab es dann die Phase der Technikgläubigkeit mit der Idee, alle Abläufe kontrolliert zu steuern, angefangen im Weinberg mit reinsortigen Klonen auf optimierten Wurzelstöcken. Im Keller dann gezielte Kalt-Mazeration von vorher entrappten und selektierten Beeren. Reinzuchthefen, Enzyme, Temperatursteuerung, das frühe Abziehen von der Hefe, gezielte Fassauswahl und späteres Verschneiden. Das Ergebnis waren technisch einwandfreie aber leider häufig auch etwas langweilige Weine.

Jetzt besinnt man sich wieder auf altes überliefertes  Wissen und versucht altes Know-How und neues Wissen zu kombinieren. Der Winzer versucht möglichst wenig einzugreifen in der Weinbereitung. Der Focus liegt darin, im Weinberg optimale Voraussetzungen zu schaffen, zum Beispiel durch eine biologische Bewirtschaftung.  Dazu kommt  das Wissen über Klone, Erziehungssysteme, Laubarbeit und Schnittechniken . Das Ergebnis sind gesunde und geschmacksintensive Trauben, wenn die Natur im jeweiligen Jahr mitspielt. Die Vorraussetzungen für einen großen Pinot Noir sind dann schon  mal gegeben. Im Keller entscheidet dann das know how und noch wichtiger das Fein- und Bauchgefühl des Winzers.

 

In Search of Balance – 2 Winzer aus der Wachau auf neuen Wegen

Meine erste Berührung mit österreichischem Wein hatte ich vor bestimmt mehr als 20 Jahren bei den Obauers in Werfen. „Unendlich“ hiess der Wein und er schmeckte auch so. Das prägte mein Bild von Weinen aus der Wachau für lange Zeit: viel Körper, viel Alkohol, viel Botrytis, viel Geschmack, super Lagerfähigkeit.

Altern diese Weine gut und viele davon haben das Zeug zum Langläufer, so können Sie im Alter richtig Spaß machen. Sind sie jung so treffen sie nicht ganz so meinen persönlichen Geschmack.

Auf der Hausmesse eines Nürnberger Weinhändlers schickte mich vor ein paar Jahren dann ein Freund zum Stand von Peter Malberg mit dem Tipp, doch mal seinen „Weitenberg Grünen Veltliner“ zu probieren. Der Wein war sehr dezent, weder in der Nase noch im Mund gab er viel von sich preis, so „leise“ kannte ich österreichischen Wein gar nicht. Man musste auf die Nebentöne achten. Auch die Rieslinge konnten mich voll überzeugen.

Ich vergleiche diese beiden Weinstile gerne mit Musik, wo es ja auch ein breites Spektrum an Stilen gibt und sich in vielen klassischen Musikstücken leise Sätze abwechseln mit kraftvollen lauten Passagen. In der Mischung ist das umso reizvoller und deshalb finde ich auch, sollte nicht jeder Winzer auf den fahrenden Zug der leisen Weine aufspringen, sondern seinen eigenen Ideen vertrauen und seine persönliche Handschrift entwickeln, egal ob kraftvoll oder filligran.

Auf dem Weg zum WSET Diploma Kurs in Rust beschloss ich dann vor einigen Wochen einen Tag in der Wachau und dem angrenzenden Kremstal zu verbringen, das sich nahtlos an die Wachau anschliesst und mir vor Ort einmal anzuschauen, wie der Jahrgang 2015 von Peter Malberg und Urban Stagard interpretiert wird. Zwei Winzer die für einen neuen leichteren Weinstil mit einer anderen Balance und mehr Finesse stehen. Der Focus lag dabei auf Riesling, wie könnte es bei mir auch anders sein.

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Die erste Station war das Weingut von Urban Stagard, das am Rande der Wachau und offiziell schon im Kremstal liegt.  Sein Herz schlägt für den Riesling . Er gehört zur jungen Garde der Winzer, die es schon auf die Weinkarte von Aldo Sohm in New York geschafft haben: mit einem Grünen Veltliner, dabei sind die Rieslinge von Urban noch viel bemerkenswerter und längst kein Geheimtipp mehr.

Urban’s Vorschlag mir seine Weinlagen zu zeigen nahm ich dann auch sehr gerne an. Rund um Krems „sammelt“ er spannende Riesling-Lagen, sie sich teilweise hoch über der Donau in kleinen Parzellen am Hang befinden. Dabei hat er in den letzten Jahren ein imposantes Portfolio zusammengestellt. Im Weinberg arbeitet er nach biologischen Gesichtspunkten. Im Keller vergärt er mit einem Anteil Beeren und lässt die Weine lange auf der Vollhefe liegen. Urban verlässt sich auf sein Gefühl bei der Weinbereitung, dabei hat er aber trotzdem auch die Analysewerte seiner Weine zur Hand und ich finde, dass ist kein Widerspruch. Er möchte die Lagen schmeckbar machen und das gelingt im gut. Beim späteren Probieren der 2015er Fassproben war ich überrascht wie unterschiedlich die Rieslinge sind. Mein Lieblingswein war der Steiner Schreck. Dass er auch sehr gut Cuvertieren kann, beweisst er mit dem Ströck.

HSC_9339Kommen wir zurück auf den Anfang und Peter Malberg’s Weine. Er war einer der Vorreiter für einen neuen Weinstil in der Wachau. Wir sitzen in seinem neuen Haus direkt gegenüber der Lage Bruck im Spitzer Graben und schauen durch die Panorama Fenster auf die Weingärten. Das Klima ist hier ein anderes als direkt an der Donau.
Seine Philosophie ist davon geprägt die Dinge im Gleichgewicht zu lassen und mit der Natur im Einklang zu leben um Wein zu erzeugen. Das heißt für ihn, die Trauben dann zu lesen, wenn die ersten Vögel anfangen sie zu fressen, lieber etwas zu früh als zu spät. Dann ist die Säure in den Trauben noch präsent und die niedrigen PH- Werte sorgen für Frische im späteren Wein. Er muss dann auch das Lesegut nicht schwefeln und die Spontanvergärung startet gut. Logische Wirkungsketten finde ich.

Mein Favorit ist der „Bruck Riesling 2015“ an diesem Tag, zeigt er doch die Kühle und Frische der hoch gelegen Lage und die herrliche Frucht des Jahrgangs. Dicht gefolgt von „Brandstatt 2015“ und „Liebe Dich GV 2015“ Peter Malberg gehört auch zu denjenigen die viel Geld und Arbeit in die Restaurierung der alten Terrassenlagen in der Wachau stecken. Das zeigt sich auch in einer Lage, die an die Bruck Parzelle links anschliesst.

Brandstatt ist mein Rekultivierungsprojekt im Spitzer Graben, dem kühlsten Gebiet der Wachau, auf ca. 450 m Seehöhe. Der ursprünglich verwahrloste Glimmerschiefer-Weingarten wurde nach Instandsetzung der Mauern nach und nach wieder mit Riesling bestockt. Mein Anspruch ist, auf diesem urtümlichen Terrassen-Weingarten einen kompromisslosen Wein zu keltern, bei dem weniger die Rebsorte zum Ausdruck kommen soll, als vielmehr das Terroir und eine alte Weinbereitungstradition. Dazu gehört eventuell eine Maischegärung ebenso, wie langer Ausbau im heimischen Akazienfass.