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Spanien – Dénia – Quique Dacosta (Modern Spanish Cooking)

Sein 2014 Menü  überschreibt Quique Dacosta mit Tomorrowland (Modern Spanish Cooking).

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Jürgen Dollase hatte es in der Port Culinaire  (Ausgabe 30/2014) ausführlich besprochen und analysiert. 2008 hatte ich in der Apicius das erste Mal von Quique Dacosta gelesen und auch Bilder seiner Gerichte gesehen.  Seitdem war sicher, ich musste dort unbedingt mal hin. Dénia liegt ungefähr 100 Kilometer von Valencia entfernt direkt an der Küste.  In 3 Fährstunden erreicht man von dort  Ibiza. Aus dem Plan den Sonnenuntergang auf Ibiza am Café del Mar zu erleben wurde dann leider nichts,  die Fähren hatten den Fahrplan bereits auf Winterbetrieb umgestellt. Deshalb beschloss ich nach einem Abstecher nach Valencia

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mir ein Hotel in Dénia zu suchen

IMG_5027und gleich 2 Mal zu Quique Dacosta zu gehenIMG_5036IMG_5038um die kulinarische Entwicklung von den Klassikern zum aktuellen 2014 Tomorrowland Menü beobachten zu können.  IMG_5044 Der Guide Michelin zeichnet sein Restaurant derzeit mit 3 Sternen aus. Dies muss man ja  nicht Gott gegeben hin nehmen und man kann auch einmal hinterfragen, ob man das für nachvollziehbar hält. Offiziell werden die Kriterien für die Vergabe der Sterne nicht veröffentlicht. Schaut man auf Wikipedia so findet man folgende Bewertungskriterien für die Michelin-Sterne:  die gleichbleibende Qualität der Zutaten und deren Frische, ihre fachgerechte Zubereitung, die Harmonie der geschmacklichen Verbindung sowie die Innovation und Einzigartigkeit der Gerichte, die sich in Kreativität und persönlicher Note widerspiegelt. Drei Sterne bedeuten − „Eine der besten Küchen – eine Reise wert“. Entscheidend ist also “auf’m Platz” wie man in meiner alten Heimat dem Ruhrgebiet beim Fussball sagen würde.  Als Gast nehme ich natürlich wahr, das neben einem sehr schön designten Restaurant, selbst entwickeltem Anrichtgeschirr, Zalto und Riedel Gläsern, einer Dramaturgie der Gänge, die wie in der Oper in verschiedene Akte aufgeteilt ist, auch die “eigentlich” entscheide Leistung “auf dem Teller” stimmt.IMG_5053

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IMG_5060Was Ideen, Qualität und technische Ausführung angelangt bin ich hier sicher bei 3 Sternen, bei aromatischer Komplexität und Harmonie würde ich persönlich nicht die Höchstnote geben. Allerdings ist das dann auch eine Grundsatzfrage, ob ich die Gerichte alle einzeln geschmacklich bewerten muss oder das Gesamtpaket beurteile.  Andy Hayler liefert Einzelbewertungen, ihm hat vieles nicht gefallen. Steve Plotnicki setzt Quique Dacosta in Europa als Gesamtkunstwerk auf Platz 3

http://opinionatedaboutdining.com/2014/eu_en_3.html

Bei ihm entscheiden die eingesandten Gästekritiken. In der Pellegrino Liste findet sich das Restaurant auf Platz 41.

http://www.theworlds50best.com/list/1-50-winners/quique-dacosta

Ich finde alle Bewertungen für sich gesehen nachvollziehbar, das einmal vorneweg.

Das Menü ist in vielen Bereichen minimalistisch, regional geprägt (der Großteil der Zutaten stammen aus einem Umkreis von 80 km um das Restaurant), die Inszenierung ist perfekt und für mich hat sich die Reise gelohnt.

Denia GarnelenIMG_1180

Wer wie ich im El Bulli war und diesen Stil mit vielen Tapas Gängen (es waren ca 30) mag, neues entdecken will und offen für die Avantgarde ist, sollte unbedingt hinfahren.

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Wer das ultimative Geschmacks- und Aromenerlebnis sucht,  für den ist die Reise vielleicht zu weit und es gibt andere Adressen die er eher besuchen sollte. Darauf werde ich ein anderes mal eingehen. Ich mag beide Pole der kulinarischen Welt,  Aromeninzenierungen und kulinarische Feuerwerke bei Pierre Gagnaire und das Gesamtkunstwerk eines Quique Dacosta. Der Erste Tag mit dem Tomorrowland Menüe ist mir als grandios in Erinnerung geblieben. Die Gerichte am zweiten Tag aus dem Klassiker Menü haben mir nicht so gut gefallen. Wenn man die Amuse Serie und das Restaurant schon kennt,  geht leider auch viel der Dramatugie und des Zaubers verloren.  Das mag eine Begründung sein. Die Klassiker kommen aus einer anderen Zeit, das ist deutlich feststellbar. Ein Wort vielleicht noch zu den Weinen. Viel Spanien, ein bisschen Avantgarde,  gute Qualität und durchaus stimmig, aber vom Pairing auch nicht Masstäbe setzend. Ein großes Lob gebührt zum Schluss der tollen Service Mannschaft.

Hier noch einige Impressionen: